Warum aktivistische Shareholder den Frauenanteil im Aufsichtsrat heben

Die letzten Berufungen in den Aufsichtsrat ließen nicht nur die Fachpresse aufhorchen. Zogen mit Martina Merz (thyssenkrupp) und Doreen Nowotne (Haniel) doch gleich zwei Frauen in das oberste Kontrollgremium deutscher Großunternehmen ein und dass sogar als Chef-Aufseherin.

Was war passiert?

Für Experten waren beide Berufungen keine echte Überraschung. Im Fall von Merz (einer besonders im skandinavischem PE-Umfeld anerkannte und erfahrene Aufsichtsrätin) ist ein angeschlagener Großkonzern, deren neue Kapitaleigner, Elliott, und der schwedischen Private Equity, Cevian, dem Management ordentlich Druck macht. Dagegen ein anderes Bild bei der Haniel-Familie, die sich gezielt eine ausgewiesene Finanzmarkt-Expertin als Verstärkung ins Board geholt hat (um sich auf neue Unternehmenstransaktionen vorzubereiten?) und die zudem noch in diversen anderen deutschen Aufsichtsräten sitzt.

Beide Fälle zeigen anschaulich, was passiert, wenn aktivistische Investoren ihre Macht ausspielen oder ausgewiesene Kapitalmarkt-Expertise im Gremium als Besetzungsvoraussetzung für den Chefposten definiert wird. Der aktuelle Aufsichtsrats-Radar von AlixPartner https://www.presseportal.de/pm/58857/4245732 sieht die folgenden Auswirkungen auf das Gremium und seiner Arbeit:

  • 26 öffentliche Kampagnen von aktivistischen Investoren in Deutschland zwischen 2016 und 2018 (160% Anstieg! im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 2013 bis 2015)
  • höherer Reifegrad des Gremiums, wenn es unter aktivistischem Einfluss steht: (Auswahlprozesse werden transparenter und daraus resultiert ein diverser, breiterer Kompetenz-Mix der Gremienmitglieder, stärkere internationale Ausrichtung, klares Kompetenz- und Aufgabenprofil, Evaluierung passender Kandidaten /innen erfolgt durch mehrere Gremienmitglieder z.T. unter Hinzunahme einer Top Search Firm:  Siehe Stada, wo mit Egon Zehnder & Spencer Stuart gleich zwei namhafte Personalberatungen mit der Evaluation von Kandidaten für den AR beauftragt waren)
  • gestiegene Vergütung für Aufsichtsräte
  • besseres Risikomanagement

Insgesamt dürfte die Entwicklung auch Frauen mehr Chancen einräumen, vorausgesetzt sie verfügen über substantielle Top-Management-Erfahrung im Investment Banking, Private Equity und / oder Kapitalmarkt.

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