Weitblick?

Rolle rückwärts?

Über die Rolle der Karrierefrau in Zeiten von Corona

Spätestens seit prominente Karrierefrauen wie z.B. Julia Jäkel, Chefin von Gruner + Jahr, https://www.zeit.de/2020/19/frauen-beruf-fuehrungspositionen-rollenbilder-coronavirus-krise unverblümt bekennen, dass die öffentliche Sichtbarkeit von Frauen bis auf wenige Ausnahmen spürbar in den letzten Wochen abgenommen hat und dass die wesentlichen Entscheidungen zumeist von den wenigen Männer vor Ort getroffen werden, wird dem Letzten klar, dass etwas faul im Staate Dänemark sein muss. Es ist natürlich müßig darüber zu lamentieren, ob sich jetzt in der Krise wieder alte Machtstrukturen festigen, die scheinbar mit der Frauenquote aufgeweicht zu sein schienen. Fest steht, dass plötzliche Abgänge wie die von SAP-Co-CEO, Jennifer Morgan, immer die Zweifler auf den Plan rufen, Frauen können eben keine Krise, sondern sind nur gut für das eigene Image in Zeiten, wenn das Business brummt. Die große Frage aber bleibt für mich, wo sind sie denn hin die tollen Führungsfrauen? 

Der Bundespolitik, den Meinungsmachern der Hauptstadtpresse und nicht zuletzt den Pandemie-Experten sei Dank die meisten Frauen und Männer finden sich derzeit im Home Office wieder, wobei zumeist die Erstgenannten neben ihrem Hauptjob gleich weitere Jobs sozusagen mit Kind und Kegel zu bewältigen haben.  Zwar wird Frauen ja nachgesagt, dass sie Multitasking fähig seien und neben diversen Online-Konferenzen auch das jeweilige Home Schooling Repertoire ihrer Kinder drauf haben. Also, was soll die Jammerei nach der fehlenden Sichtbarkeit? Chefin sein, geht doch auch vom Home Office aus und die Kinder lernen nebenbei jetzt für’s Leben, wie das so läuft mit der Karriere und so. 

Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht. Wie mir einige meiner Klientinnen berichten, treibt sie der Spagat zwischen Führungskraft, Ersatzlehrerin und Vollzeitmutter in eine echte Lebenskrise.  Während die „harten“ Jungs, jetzt ihre Muskeln spielen lassen können, ein Horrorszenario nach dem nächsten durchspielen und strategisch die nächsten Entlassungswellen mit Eigentümer, Sanierer & Insolvenzverwalter verproben, sind viele Führungsfrauen aktuell dem Herd räumlich näher als dem Chefsessel. Damit dies kein Dauerzustand wird, müssen die Managerinnen mit aller Macht wieder zurück in die Unternehmen und die Politik sollte schleunigst mit ihren Lockerungsübungen auch in der Praxis anfangen. Wie gut, dass heute hierzu auch der mächtige Wirtschaftsverband die Regierenden sehr deutlich um Planbarkeit für die Unternehmen und unser Gemeinwohl auffordert: http://www.dtoday.de/startseite/wirtschaft_artikel,-BDI-Praesident-fordert-Fahrplan-fuer-Hochfahren-der-Wirtschaft-_arid,723870.html

2 Kommentare zu „Rolle rückwärts?“

  1. Christoph Kühne

    So kann man sich natürlich in den Vordergrund stellen und die Rolle der Väter und Ehemänner zu Hause runterspielen. Schade und traurig, dass in Zeiten von Gleichberechtigung ein solcher Populismus weiterhin getrieben wird und die wahre Gleichberechtigung in den Hintergrund rückt. Da kann man nur hoffen, dass die nächste Generation von Frauen diesen Sprung (mental) schafft.

    1. Sehr geehrter Herr Kühne,
      vielen Dank für Ihre kritische Anmerkung. Mir geht es mitnichten darum, Männern abzusprechen, dass sie ihren Beitrag leisten, damit die Situation zu Hause erträglich für alle Beteiligten bleibt. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es i.d.R. nur im Team geht. Trotzdem haben gerade die Führungsfrauen zurzeit eine besondere Balance zwischen Job, Familie & Home Schooling mit oder ohne Support zu bewältigen. Warum und in welchem Ausmaß das so ist, kann jeder individuell für sich beantworten. Die Krise sollte jedoch nicht als Argumentation in der Öffentlichkeit für weniger Frauenteilhabe in den Top-Führungspositionen dienen und verstanden werden.

      Viele Grüße
      Sabine Hansen

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